"Das Büro"
Bundesrepublik Deutschland 2003
13 Sekunden
FSK freigegeben ab 18
Prädikat: besonders wertvoll

Torsten Freitag, ein neuer Name unter den jungen deutschen Filmemachern, den man sich merken sollte. In nie dagewesener Form wagt er sich mit seinem Debut an Fragen der modernen Gesellschaft, die beispielsweise ein David Lynch mit "Eraserhead" nur unzureichend beantworten konnte.

Freitags Dramaturgie sucht ihresgleichen und ist in der bundesrepublikanischen Filmlandschaft sicherlich einzigartig. Frei von geschmäcklerischen und hektischen Schnitten arbeitet er vorwiegend mit dem Stilmittel der Totale, welche - wie schon in Tatis "Playtime" - dem Auge des Betrachters eine große Aufmerksamkeit abverlangt, ihn aber im Gegenzug dafür nicht minder belohnt als Kubrick's Sternenkind-Sequenz in "2001". Kamerafahrten von bislang ungeahnter Intensität werfen ein brutales Licht auf ein Horrorscenario, welches seit dem japanischen Meisterwerk "U 2000-Tauchfahrt des Schreckens" vergessen schien. Freitag schreckt nicht davor zurück, die Dinge zu zeigen, wie sie sind, besonders, da er sich mit der Darstellung des grauenerregenden Monsters an die Grenzen der Möglichkeiten moderner Special Effects-Techniken wagte. Im direkten Vergleich zu der meisterlichen Inszenierung des jungen Regisseurs aus der Magdeburger Börde wirkt Ridley Scott's "Alien" wie das Kasperle von nebenan.

Kein Film für die ganze Familie, mitnichten, aber für die wahren Cineasten unter uns sicherlich das beste Beispiel deutscher Filmkunst seit "Winnetou und das Halbblut Apanatschi". Die 13 Sekunden Laufzeit machen Appetit auf den ungeschnittenen, 14 Sekunden langen Director's Cut.